Portugals Hauptstadt ist bekannt für ihre mittelalterlichen Gassen, für die Altstadt mit den Fliesenfassaden und für unterschiedliche Museen. Lissabon hat aber auch eine ganz andere Art der Kultur zu bieten, eine Subkultur mit eindrucksvollen Graffiti.
Anders als andere Großstädte geht Lissabon mit dem Thema Graffiti sehr entspannt um. Die Stadt nutzt die Urban Art, um das Stadtbild aufzupeppen und einzigartig zu gestalten. Sie stellt kreativen Straßenkünstlern daher die Fassaden ungenutzter Gebäude als Leinwand für ihre fantasievollen Pieces zur Verfügung.

Das bekannteste Graffito finden Besucher in der Avenida Fontes Pereira de Melo. Ein dynamisches gelbes Wesen, farbenfroh in grüner Jacke und pinkem Tuch gekleidet, nutzt einen Menschen als Zwille. Ob es auf die starre graue Person zielt, die auf der angrenzenden Wand golden bekrönt mittels eines Strohhalms Lateinamerika aussaugt, bleibt der Interpretation der Betrachter überlassen.
Ein anderes Werk zeigt eine sich über drei Geschosse erstreckende Silhouette eines Diebes (siehe Aufmacherbild). Die ehemaligen Fensterflächen des Gebäudes sind heute zugemauert und zeigen Mond und Sterne vor nachtblauem Hintergrund. Das Graffito bindet die Aufmerksamkeit der Betrachter durch seine umgekehrte Perspektive: Die nächtliche Außenwelt scheint sich im Gebäude zu befinden, dessen Innenraum hingegen kehrt sich samt Dieb nach außen.
Auch jenseits der städtisch geförderten Projekte gibt es viel zu entdecken: Den Aufstieg zum Castelo de São Jorge zeigt ein sogenanntes Stencil in Form eines kleinen schwarzen Schimpansen an. Dieses Graffito wurde mit Hilfe einer Schablone angebracht und lässt sich dank dieses Hilfsmittels beliebig häufig reproduzieren. Auf dem Hügel am Castelo angekommen, bietet sich eine fantastische Aussicht auf Lissabon. Von hier fällt der Blick auch auf das Viertel Mouraria, einem Labyrinth aus mittelalterlichen Gassen. Dort, in der Rua dos Lagares, begegnet man einer weiteren Variante der Straßenkunst. Hier zieren die Fotografien älterer Hausbewohner die Wände jener Gebäude, in denen sie leben.
Lissabons Kunstszene bietet also auch außerhalb von Museen und Galerien kreative Werke. Es bedarf lediglich eines wachsamen Auges.
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