Wer an moderne Architektur denkt, denkt an kühle Konstruktionen aus Beton und Glas, an kubische oder auch gewagte geometrische Formen, an kühne Stahlträger oder sachlich-weißen Putz. Holzhäusern dagegen haben noch immer der Ruf des Traditionellen und Rustikalen – Blockhütten und Schwedenhäuser sind hier die Assoziationen. Und doch sprechen nicht nur die bekannten ökologischen und baubiologischen Aspekte für Holz. Das wohl vielseitigste Baumaterial verträgt sich auch sehr gut mit modernem Design.
„Holz ist Style“, behauptet etwa Matthias Horx. Der renommierte Zukunfts- und Trendforscher will mit seiner Aussage mehr Architekten dazu bringen, künftig radikaler und innovativer mit dem Baustoff Holz umzugehen und ihn damit endgültig vom Geruch des Biederen zu befreien.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es bereits Beispiele für die von Horx geforderte aufregende, visionäre Holzbauweise gibt. So steht etwa im niederländischen Eelde ein mit einem Architekturpreis ausgezeichnetes Haus, dessen in Metall gerahmte Lamellenelemente aus Red-Cedar-Holz das Gebäude in geschlossenem Zustand wie eine zweite Haut umhüllen. Werden sie geöffnet, entsteht ein fließender optischer Übergang vom Innen- zum Außenraum, wobei der Außenbereich durch die Elemente in geschützte, aber nicht abgeschottete Einheiten untergliedert wird. Aber auch hierzulande gibt es überzeugende Beispiele für originelles Bauen mit Holz. So steht im Schwarzwald ein vierstöckiges Domizil, das wie die futuristische Interpretation eines Märchenschlosses aussieht.
Experimentierfreudiges Design
An solchen Häusern zeigt sich, wie das Material Holz seine ganz eigene Formsprache entwickeln kann. Das wiederum ist auch darauf zurückzuführen, dass die moderne Holzbautechnik den Architekten viel mehr Freiheit verschafft, als es im traditionellen Holzhausbau, etwa bei Fachwerk- oder Blockbauten, möglich war. Arne Steffen vom Architekturbüro werk.um in Darmstadt erklärt das damit, dass man heute, etwa im Holzrahmenbau, „mit der Außenfassade nicht mehr auf der konstruktiven Ebene sei - damit würde die Gestaltung viel unabhängiger“. Der Architekt räumt mit dem Vorurteil auf, dass Holzbau aus konstruktiven Gründen „schwer“ wirken müsse: „Holz ist im Verhältnis zu seinem Gewicht sehr tragfähig, deswegen lässt sich mit dem Material recht gut atmo-sphärische Leichtigkeit schaffen.“ Ansonsten schätzt er die warme Ausstrahlung von Holz und sieht darin auch keinen Widerspruch zu zeitgemäßen Architekturformen, sondern verweist vielmehr darauf, dass Holz „den Faktor Behaglichkeit“ in die moderne Architektur zurückbringe.
Auch Andreas Schwickert entwirft in seinem Architekturbüro Fachwerk4 im rheinland-pfälzischen Wirges moderne Holzhäuser. Er betont die Vielseitigkeit von Holz und Holzwerkstoffen, die zu ganz unterschiedlichen stilistischen Effekten führen könne: „Je nach Oberflächenbehandlung kann eine Holzschalung Scheunencharakter haben oder auch wie ein geschliffenes Möbelstück wirken.“ Besonders reizvoll findet Schwickert die Kombination von Holz mit anderen Werkstoffen, aus der sich „ein spannungsvolles Spiel mit architektonischen Akzenten“ ergebe.
Spannende Kontraste
Holz in Kombination mit oder im Kontrast zu Metall, Glas, Klinker, Putz oder Sichtbeton einzusetzen ist eine Option, die Architekten und Fertighaushersteller in ihren Entwürfen immer häufiger nutzen. Gute Aussichten also, dass tatsächlich zunehmend jene „aufregende“ Holzarchitektur entsteht, die sich Trendforscher wie Matthias Horx wünschen. Auch Andreas Schwickert unterstützt dieses Anliegen und plädiert ebenfalls für die Umsetzung neuer Ideen: „Die Potentiale des Materials Holz sind noch lange nicht ausgeschöpft.“
Die Experimentierfreude der Planer zeigt sich bei Holzhäusern auch in der Farbgebung. Im modernen Holzbau findet man wieder vermehrt farbig lackierte oder lasierte Holzelemente, wobei das Spektrum von dezentem Grau bis zu kräftigen Rot- oder Gelbtönen reicht – schließlich lassen sich gerade mit Farbe und Farbkontrasten effektvoll Spannungsfelder aufbauen.
Individueller Charakter
Dennoch behauptet vor allem das naturbelassene Holz seinen festen Platz in der modernen Architektur. Die Besonderheit des gewachsenen Rohstoffs zeigt sich nicht nur in den guten ökologischen und baubiologischen Eigenschaften, sondern auch im Unikat-Charakter, der bei unbehandeltem Holz am besten zur Geltung kommt. „Holz ist niemals gleich, kein Brett ist wie das andere“ – das ist für Arne Steffen eines der stärksten Argumente für den natürlichen Baustoff. Auch das verbaute Holz „lebt“ weiter, und eine Holzfassade aus Lärche oder Douglasie kann im Zusammenspiel mit der Witterung im Laufe der Jahre sogar an Charakter gewinnen. Damit entspricht das Material ideal dem Wunsch nach Individualität, der heutige Lebensgewohnheiten prägt und natürlich auch in den eigenen vier Wänden zum Ausdruck kommt. Trendforscher Horx bringt es auf den Punkt: „Holz ist Erlebniskultur.“
(Bausparkasse Schwäbisch Hall)
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