In Deutschland fallen jährlich sieben Millionen Tonnen Müll in Form von Möbeln an. 90 Prozent davon landen in der Verbrennungsanlage. Nur 10 Prozent finden einen neuen Besitzer oder werden weiterverarbeitet. Keine besonders gute Bilanz in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit.
Die Firma ZweitSinn hat das Problem erkannt und eine Plattform für gebrauchte Möbel geschaffen. Handwerksbetriebe, Hersteller und Designer können unter www.zweitsinn.de ihre Produkte aus Altmaterialien anbieten und ihre Erfahrungen rund um die Wiederverwertung von Möbeln austauschen. "Dadurch wird die Abfallmenge verringert und der Gedanke der Kreislaufwirtschaft gestärk", erklärt Dr. Fritz Brickwedde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das ganze Projekt unterstützt. "Die Zeit ist überfällig, dass gebrauchte Materialien nicht achtlos 'entsorgt', sondern systematisch als Rohstoffangesehen werden," sagte der DBU-Generalsekretär weiter.
Einer, der über ZweitSinn seine Möbel vertreibt und das Netzwerk auch mitbegründet hat, ist Designer Oliver Schübbe von der Recyclingbörse Herford. Er war es auch, der in der ZDF Dokusoap "Schrott-Hotel" für die Einrichtung verantwortlich zeichnete. Dabei war in Köln aus einem ehemaligen Stundenhotel eine Unterkunft entstanden, die komplett mit Gegenständen eingerichtet wurde, die andere weggeworfen haben.
Besondere Hingucker sind auch die Möbelstücke von Franziska Wodicka aus Berlin. Die Designerin setzt alte Schubladen in einen neuen Korpus ein. Das Ergebnis sind liebevoll gestaltete Einzelstücke in unterschiedlichen Größen, vom kleinteiligen Nachtschränkchen bis zum ausladenden Sideboard.
Die Idee von Möbeln aus Sperrmüll ist nicht neu. Allerdings hat sich in Sachen Design und Verarbeitung einiges verändert, das muffige Öko-Image der ersten Stunde ist verschwunden. Heute sind Recyclingmöbel hochwertiger, moderner und damit auch beliebter geworden. Einige der Unikate sind auf renommierten Möbelmessen in Köln, Mailand und Stockholm vertreten und wurden auch mit Designpreisen prämiert.
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